Multimedia Art Productions

Maul logo

Heerstraße 123 Sankt Goar
Giebelständiges, dreigeschossiges Fachwerkhaus mit steilem Satteldach, dat. zw.
1542 und 1552. Massives Erdgeschoss, vermutl. 1682 Umgestaltung durch Hospitalmeister Johann Henrich Maul.

  • Johan Henrich Maul (auch Johan Heinrich)

  • Sohn: Luther Daniel Maul - Hospital-Meister

Historische Bedeutung: Das Gebäude überstand wie durch ein Wunder die gewaltigen Zerstörungen, die die französischen Truppen 1688 während des Neunjährigen Krieges in St. Goar anrichteten. Das Gebäude steht noch immer und ist offiziell als „Haus Maul“ bekannt.



Die Familie Dülcken und die Konfirmationspraxis in Berleburg

Die Familie lässt sich auf
Pastor Eberhard Dülcken (ca. 1633 – Elverfeldt – † 20. April 1699 – Berleburg) zurückführen, der als Rektor und später als Pfarrer in der Grafschaft Berleburg tätig war. Sein Sohn Georg Ludwig Dülcken (getauft am 13.04.1679 in Bad Berleburg) wurde im Alter von siebzehn Jahren konfirmiert.



Die Hochzeit in Weisel und das verlorene Register

deda0792-c09f-43dd-9aa4-08ee07e203c6_1_201_a
Eine Kopie der Taufurkunde von Johann Daniel, (*) 14. Oktober 1704, Sankt Goar
Vielen Dank an Frau Nagel. Moderatorin des Archion-Forums
doop-1704-jd-du0308lcken-st.-goar scherm00adafbeelding-2026-01-05-om-12.54.40


1704,  "Den 14 8br [Oktober] des Abends um 9 Uhr ist im Hauß ge-
taufft worden, Johann Daniel, Herrn Georg
Ludwig Dülckens, Söhnlein. Gevatter ist gewesen
Herr Luther Daniel Maul, Hospital-Meister.
Ist im Noth-Fall geschehen, dann das Kindlein
sehr schwach gewesen, wie die Amme sagte.
Sind des Tags vorher copuliret worden
zu Weissel.    Das Kind ist in der
Woch gestorben und
ohne Pomp be-
graben".

Die früheste bekannte Eheschließung von Georg Ludwig Dülcken wirft ein ungewöhnliches archivarisches Problem auf.
Ein Taufeintrag vom 14. Oktober 1704 besagt, dass Georg Ludwig und seine Frau
„am Vortag“ in Weissel geheiratet hatten. Das Heiratsregister, in dem dieser Eintrag verzeichnet sein müsste, ist jedoch nicht mehr vollständig erhalten.

  • Heirat in Weisel (13. Oktober 1704): Georg Ludwig Dülcken und seine hochschwangere Braut schließen in Weisel den Bund der Ehe. Die Einsegnung wird vom örtlichen Pfarrer Johann Jakob Schramm vollzogen. Das junge Paar wohnt in dessen Pfarrhaus. Dies ist ein vertrauter, sicherer Hafen aufgrund von Anna Catharina Lehr, der Frau des Pfarrers und der leiblichen Tante des Vaters, Georg Ludwig Dülcken.

scherm00adafbeelding-2025-08-26-om-11.38.36

  • Geburt in Weisel (14. Oktober 1704): Die hochschwangere Frau bringt ihr Kind im Pfarrhaus von Pfarrer Johann Jakob Schramm und seiner Frau Anna Catharina Lehr (der leiblichen Tante des Vaters, Georg Ludwig Dülcken) zur Welt. Die Reise über die steilen Hänge zum Rhein war für eine gebärende Frau physisch unmöglich, weshalb das Kind definitiv in Weisel geboren wurde.

  • Die Notreise: Da der Säugling äußerst schwach und in akuter Lebensgefahr ist, wird das Baby unmittelbar nach der Geburt mit höchster Eile zum Rhein gebracht und per Boot nach Sankt Goar übergesetzt, um medizinische Hilfe zu suchen.

  • Nottaufe in Sankt Goar: Direkt nach der Ankunft auf der gegenüberliegenden Rheinseite ist die Situation so kritisch, dass das Baby sofort in die erste sichere Unterkunft gebracht wird. Die Nottaufe wird im Haus von Hospitalmeister Luther Daniel Maul in Sankt Goar vollzogen.

  • Das Register schließt mit einer kurzen, aber bedeutungsvollen Anmerkung:

„Das Kind ist in der Woche gestorben und ohne Pomp begraben.“
Diese Aussage lässt kaum Zweifel daran, dass das Kind nur wenige Tage überlebte.

†Joahn Daniel
scherm00adafbeelding-2024-01-28-om-14.59.40


Der relevante Teil des Weisel-Heiratsbuchs, der die Jahre 1689–1710 abdeckt, fehlt. Das Fehlen dieser Seiten scheint schon seit langem bekannt zu sein, und es wurde keine zeitgenössische Erklärung für ihren Verlust gefunden.
Folglich stellt der Taufeintrag vom Oktober 1704 den frühesten erhaltenen dokumentarischen Nachweis für die Eheschließung dar.

e674cad7-9363-4fc1-ba01-9f2a21bfff13_1_201_a

Reformierte/Evangelische Pfarrer WEISEL - periode 1679-1719 JOHANN JAKOB SCHRAMM aus Berlenburg

Scherm­afbeelding 2026-06-10 om 20.10.25
Johann Jacob Schramm-1
Johann Jacob Schramm-2
Schramm, Johann Heinrich, der Heiligen Schrifft Doctor. In: Johann Heinrich ZedlerGrosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 35, Leipzig 1743, Sp. 1086–1092.

"Schramm, (Johann Jacob) Prediger zu Weissel im Ober-Amt-Bacharais, war gebohren den 9 Merz 1645 zu Berlenburg. Sein Vater war Johann Schramm, Alt-Bürgermeister und Gerichts-Schöpffe daselbst. Er studierte zu Herborn, Marburg und Heidelberg, und, nachdem er von hohen Schulen zurückgekommen, so wurde er von dem damals regierenden Grafen Georgen zu Witgenstein-Berlenburg zur Unterweisung seines Erb-Sohnes Ludewig Fransgens bestellet. Diese Bedienung verwaltete er zum Vergnügen seiner Herrschaft eine Zeitlang dergestalt, daß er hernach zum Prediger zu Gerckhausen (Girkhausen), einem ehemals unter dem Pabstthum wegen einer grossen Wallfahrt bekannten Ort, in der Grafschaft Berlenburg befördert wurde. Von dannen bekam er im Jahr 1679 vom Chur-Pfälzischen Kirchen-Rath, nach gethanem Vorschlag seines ehemaligen Lehrers, des berühmten ersten Mitglieds besag-"

Ursprünglicher Bewohner von Ludwigsburg (ab 1724): Graf Ludwig Franz (1694–1750), nach dem der Komplex schließlich auch benannt wurde.

VIDEO
Erbauet hat mich Graf Casimir Eintausend Siebenhundert Zwanzig Vier - Ludwigsburg - MANNUS RIEDESEL


"besagten Raths, des D. und Prof. Johann Ludewig Fabricius, den Beruff nach obengedachtem Weissel, welcher Gemeine er mit Ausschlagung verschiedener anderer ihm angetragenen Pfarr-Stellen 50 Jahr lang mit besonderm Fleiß und Treue, in wahrer Gottseligkeit vorgestanden, da ihm denn in den letzten Jahren sein Sohn Johann Philipp beygefüget worden, der zwar nach ihm die Bedienung behalten, allein dem Vater nicht so gar lange nachgelebet hat. Unser Johann Jacob Schramm ließ sich bey seinem Predigt-Amt auch angelegen seyn, der studirenden Jugend mit seiner Unterweisung zu dienen, daher er denn vieler vornehmer Leute Kinder bey sich im Hause hatte. Er hat im Predigt-Amt 55, im Leben aber beynahe 85 Jahre zugebracht. Es ist merckwürdig, daß er auch 50 Jahre im Ehestande zurückgelegt hat mit
Annen Catharinen Lehrin, Andreas Lehren, ehemaligen Hoch-Gräflich Rentmeisters und Alt-Bürgermeisters zu bereits gedachtem Berlenburg, Tochter, welche ihm 8 Kinder, nehmlich 6 Söhne und 2 Töchter, gebohren, davon ausser dem oben in einem besondern Artickel gedachten Johann Heinrich noch 2 Söhne am Leben sind."

scherm00adafbeelding-2026-08-26-om-14.49.09



Heerstraße 123 Sankt Goar

Giebelständiges, dreigeschossiges Fachwerkhaus mit steilem Satteldach, dat. zw. 1542 und 1552. Massives Erdgeschoss, vermutl. 1682 Umgestaltung durch Hospitalmeister Johann Henrich Maul, um 1900 Erdgeschoss mit Ladeneinbau bis zur Straßenflucht der Heerstraße vorgezogen, darüber Altan mit schmiedeeisernem Balkongeländer. Sichtfachwerk, profilierte. Schwellen, an den Eckständern gekreuzte Streben, im Giebelfeld unter Rechteckfenster geschweifte Andreaskreuze.
Aufschiebling und abgewalmte Giebelspitze. Als eines der ältesten Wohnbauten St. Goars geltender Bau, der in seiner straßenbildprägenden Ausgestaltung den regionalen Haustyp des mittelrheinischen Fachwerkhauses dokumentiert und von der historischen Bebauung des 16. Jh. in besonders anspruchsvoller Ausführung mit mit ortsbildprägendem Charakter zeugt.

* Nachqualifizierung der Denkmalzone „Kernstadt St. Goar“ Landkreis Rhein-Hunsrück-Kreis (PGIS-ID: 8500)

9D6B12D4-A2B0-4F37-ABEB-2660BF2EAF31 2


Besonders aufschlussreich sind die von Inspektor Scheffer nach 1702 geführten Konfirmationsregister. Scheffer trug rückwirkend Konfirmationsdaten in frühere Taufregister ein und legte gleichzeitig separate Konfirmationsregister an. Diese Aufzeichnungen zeigen, dass die Konfirmation häufig in einem Alter stattfand, das deutlich über dem heute üblichen lag.
Unter den vierzehn Konfirmanden, die 1703 verzeichnet wurden, reichte das Alter von vierzehn bis neunzehn Jahren.
Georg Ludwig Dülcken selbst wurde im Alter von siebzehn Jahren konfirmiert.
Die Belege deuten darauf hin, dass eine verspätete Konfirmation in der Region eher der üblichen kirchlichen Praxis entsprach als einem Mangel an Bildung.


IMG_0883