
STIFTSKIRCHE ST. GOAR - info
Johann Conrad Knöpfel - Sankt Goar

Um die Welt zu verstehen, in der Susanna Maria Knöpfel im Jahr 1706 aufwuchs, müssen wir einen Blick auf das Leben und Wirken ihres Vaters werfen: Johann Konrad Knöpfel (1662–ca. 1720). Als Sohn eines protestantischen Pfarrers wurden Johann Konrad ein scharfer Verstand und ein solides Netzwerk in die Wiege gelegt. Im Jahr 1680 schrieb er sich an der Universität Marburg ein, dem intellektuellen und theologischen Herzen des protestantischen Hessens. Mit diesem akademischen Hintergrund im Gepäck ließ er sich in der strategisch wichtigen Rheinstadt St. Goar nieder. Hier baute er eine beeindruckende Karriere auf, die ihn zu einem der einflussreichsten Bürger der Region machen sollte.

Conrad Knöpfels, Metropolitani zu Milsungen 1651
Conrad Knöpfel, 1662 in Wolfershausen geboren, schrieb sich 1680 an der Universität Marburg ein und wurde Proviantkommissar in der hessischen Festung Rheinfels bei St. Goar.
Conrad Knöpfel heiratete am 29. April 1695 Regina Magdalena Dirx. Conrad Knöpfel starb vor 1721.

Den 7. April. sind zum ersten mal proclamirt worden, Herr Jo- han Conrad Knöpfel, Proviant=Meister, Herrn Conrad Knöpfels, Metropolitani zu Milsungen, ehelicher Sohn; und Jgfr. Regina Magdalena, Herrn Dieterich Diepers, Rath= gängers eheleibliche Tochter. Den 29. April. copulati. Den 16. Jun. sind zum ersten mal proclamirt.
Am 7. April wurden zum ersten Mal aufgeboten: Herr Johan Conrad Knöpfel, Proviantmeister, ehelicher Sohn des Herrn Conrad Knöpfel, Metropolitan (Hauptpastor/Superintendent) zu Melsungen; und Jungfer Regina Magdalena, eheliche Tochter des Herrn Dieterich Dieper, Ratsherr. Am 29. April wurden sie getraut.

Taufeintrag Susanna Maria Knöpfel - transcriptie Dr. Johannes Burkardt
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Eine protestantische Schlüsselfigur unter katholischen Herren
Die politische und religiöse Situation, in der Johann Konrad agieren musste, war äußerst komplex. St. Goar und die darüber thronende, riesige Burg Rheinfels waren im Grunde protestantisches Gebiet. Doch durch eine Erbschaft innerhalb des Fürstenhauses Hessen fiel die faktische Macht im Jahr 1693 an eine streng katholische Seitenlinie: das Haus Hessen-Wanfried. Zuerst unter Landgraf Karl (1693–1711) und ab 1711 unter dessen frommem Sohn Landgraf Wilhelm II. regierten katholische Fürsten über eine fast vollständig protestantische Bevölkerung.
Obwohl dies auf dem Papier wie ein Rezept für einen Glaubenskrieg wirkte, war die Praxis überraschend pragmatisch. Dank alter Verträge (wie dem Regensburger Rezeß) waren die Rechte und Besitztümer der Protestanten gesetzlich geschützt. Die katholischen Landgrafen durften ihren Glauben in der Schlosskapelle auf der Burg und in einer neuen Kirche außerhalb der Stadtmauern ausüben, mussten die protestantischen Bürger jedoch in Frieden lassen. Um die Region stabil zu halten und die Steuereinnahmen zu sichern, benötigten die katholischen Landgrafen zuverlässige protestantische Verwalter, die das Vertrauen des Volkes genossen. Johann Konrad Knöpfel was der perfekte Mann am perfekten Ort.
Die Doppelrolle: Kirchliche Finanzen und militärische Logistik
Johann Konrad bekleidete in St. Goar eine entscheidende Doppelrolle. Zum einen war er der Stift-Kellner (Stiftsverwalter) der protestantischen Stiftskirche. In dieser einflussreichen Position verwaltete er die Administration, die ausgedehnten Ländereien und die Steuereinnahmen des protestantischen Stiftskapitels. Dass ein katholischer Landgraf wie Wilhelm II. die Kontrolle über diese wichtige protestantische Geldquelle vollständig Knöpfel überließ, beweist, wie sehr dessen Integrität und geschäftliche Fachkompetenz geschätzt wurden.
Seine zweite Funktion brachte eine noch größere Verantwortung mit sich: Johann Konrad war zugleich der Proviant-Commissair (Proviantkommissar) der Burg Rheinfels. Rheinfels war zu dieser Zeit eine der mächtigsten und bedeutendsten militärischen Festungen am Rhein, gebaut, um der ständigen Bedrohung durch französische Invasionen standzuhalten. Als Proviantkommissar war Knöpfel für die gewaltige logistische Operation innerhalb der Festung verantwortlich. Er sorgte dafür, dass die militärischen Vorräte – von Getreide, Fleisch und Bier bis hin zu Munition und Schießpulver – stets so aufgefüllt waren, dass sie einer monatelangen Belagerung standhalten konnten. In einer Zeit ständiger Kriegsgefahr war dies eine absolute Vertrauensstellung. Landgraf Wilhelm II. wusste, dass der Erhalt seiner strategischen Festung und burcht buchstäblich von der logistischen Präzision seines protestantischen Kommissars abhing.

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Consistorial-Sachen Nr. 148 C.
Original-Instruktion für den Stiftskellner Knöpfel zu St. Goar (1701–1702).
1701–02.
(Archiefstempel/nota: Staatsarchiv Marburg, Best. 40a Rubr. 4 Nr. 5143)

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Wir, von Gottes Gnaden, Karl, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg, geben hiermit bekannt:
Auf fürstlichen Befehl haben unsere Verordneten des Consistoriums (Kanzler, Vizekanzler und Räte) Johann Conrad Knöpfel beim Stift St. Goar aufgenommen und angestellt. Hiermit übertragen wir ihm kraft dieses Briefes das Amt des Stiftskellners. Er verpflichtet sich, dem durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Karl getreu, gehorsam und dienstbar zu sein.

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Er muss Schaden vom Fürsten abwenden, Gefahren melden und alle Einnahmen des Stifts (ob in Geld, Wein, Getreide oder anderen Abgaben) ordnungsgemäß und pünktlich einfordern, registrieren und abrechnen. Er ist verpflichtet, jährlich Rechenschaft über die Stiftsrechnung abzulegen.

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Zudem hat er die Gebäude des Stifts in gutem Zustand zu erhalten, Mängel oder Schäden rechtzeitig zu melden und zu reparieren. Er darf nicht zulassen, dass Rechte oder Einkünfte des Stifts verloren gehen oder missbraucht werden. Dies hat er mit einem leiblichen Eid und einem Reversbrief (Schuldschein) bekräftigt.

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Für seine Dienste erhält er jährlich aus den Einnahmen des Stifts folgende Vergütung:
Geld: 5 Reichstaler
Getreide: 6 Malter Korn, 3 Malter Gerste, 1 Sommer Erbsen
Naturalien: Wein (in gleicher Menge wie der Schulmeister), Brot für den Eigenbedarf, Wachs, Kohlen und Holzdeputat.
Ausgestellt zu Kassel, am 1. Januar 1701, unter dem Siegel des Consistoriums.

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Nachtrag (Reskript vom 31. Juli 1702):
Der Landgraf verordnet, dass Johann Conrad Knöpfel denselben Gehalt erhält wie sein Vorgänger Johann Peter Treiber. Zusätzlich werden ihm laut früheren Reskripten (von 1678 und 1679) weitere Naturalien gewährt: 3 Sechster Malter Korn, 3 Malter Weizen (als Ersatz für den Pfrundenwein) sowie Entschädigungen für Geflügel (Hühner/Gänse) und Rheinschifffahrtsabgaben im Wert von 20 Reichstalern und 3 Albus.

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Dem jetzigen Stiftskellner sind die erwähnten 3 Sechster-Malter Korn und 3 Malter Gerste (als Ersatz für den Pfrundenwein) nebst einem Fuder Korn (oder dessen Bezahlung) sowie die 20 Reichstaler für das Schifffahrtsrecht rückwirkend ab Januar des vergangenen Jahres 1701 einzuräumen, auszuzahlen und anzuerkennen.
Urkundlich dessen wurde dieser Brief unter dem Siegel des fürstlichen Consistoriums ausgefertigt. Kassel, den 4. Juli 1702.
Stabilität in einer angesehenen Familie
Während Johann Konrad täglich zwischen den Interessen der protestantischen Bürgerschaft unten in der Stadt und dem katholischen Hof oben auf der Burg navigierte, baute er sein eigenes Familienleben auf. Am 29. April 1695 heiratete er in der Stiftskirche Regina Magdalena Dirx (eine Tochter aus einem soliden, lokal-regionalen protestantischen Milieu).
In dieser wohlhabenden, hochgebildeten und angesehenen Familie des Stiftkellners wurde am 11. September 1706 ihre Tochter Susanna Maria Knöpfel getauft. Sie wuchs in einer Welt auf, in der Kultur, religiöse Toleranz, administrative Verantwortung und Musik Hand in Hand gingen. Es war genau diese intellektuelle, protestantische Erziehung im Schatten der Burg Rheinfels, die den Grundstein für ihr späteres Leben und ihre Heirat im Jahr 1733 mit dem begabten Pfarrerssohn und Cembalobauer Johann Daniel Dulcken legte.
Conrad Knöpfel, 1662 in Wolfershausen geboren, schrieb sich 1680 an der Universität Marburg ein und wurde Proviantkommissar in der hessischen Festung Rheinfels bei St. Goar.
Conrad Knöpfel heiratete am 29. April 1695 Regina Magdalena Dirx. Conrad Knöpfel starb vor 1721.

Den 7. April. sind zum ersten mal proclamirt worden, Herr Jo- han Conrad Knöpfel, Proviant=Meister, Herrn Conrad Knöpfels, Metropolitani zu Milsungen, ehelicher Sohn; und Jgfr. Regina Magdalena, Herrn Dieterich Diepers, Rath= gängers eheleibliche Tochter. Den 29. April. copulati. Den 16. Jun. sind zum ersten mal proclamirt.
Am 7. April wurden zum ersten Mal aufgeboten: Herr Johan Conrad Knöpfel, Proviantmeister, ehelicher Sohn des Herrn Conrad Knöpfel, Metropolitan (Hauptpastor/Superintendent) zu Melsungen; und Jungfer Regina Magdalena, eheliche Tochter des Herrn Dieterich Dieper, Ratsherr. Am 29. April wurden sie getraut.

Taufeintrag Susanna Maria Knöpfel - transcriptie Dr. Johannes Burkardt
Complete
Den 11 t[en] [Novem]bris wurde Don[n]erstag Nachmittags zwisch[en] 12 u[nd] 1 Uhren
nach gehaltener
Beth=Stunde in öffentl[icher] Versam[m]lung getaufft Susanna Maria,
H[errn] Johann Conrad Knöpffels, Proviant-Com[m]issarii u[nd] Stiffts=
Kellners allhier Töchterlein. Gevattern waren Herr Oswald
Wollff, Nachgänger am hiesigen Hoch=Fürstl[ichen] Gesam[m]t-Rhein=
Zoll, u[nd] Fr[au] Maria Barbara, H[errn] Samuel Kellers, Stadt=
Lieutenants allhier ehel[iche] Hauß-Frau, wie auch H[errn] Pfarrers Geissel
Fr[au] Eheliebste von Wollroda
des H[errn] Vatters Schwester.*
* Die letzten 12 Wörter mit blasserer Tinte später nachgetragen.
Historische Rekonstruktion: Lebensumfeld und gesellschaftliche Transition von Susanna Knöpffel
Einleitung
Die Jugend von Susanna Knöpffel spielte sich innerhalb des administrativen und religiösen Kerns von Sankt Goar ab. Ihr Vater, Johann Conrad Knöpffel, bekleidde zwei einflussreiche Regierungsämter: Stift-Kellner (Hauptverwalter) des Stifts und Proviant-Commissair auf der Burg Rheinfels. Hierdurch gehörte die Familie zur lokalen herrschenden Elite.
Wohnraum und die Stiftskellerei
Als Hauptverwalter war ihr Vater für die Steuereinnahmen, Pachterträge und Immobilien der Kirche verantwortlich. Die offizielle Dienstwohnung und das Büro (die Stiftskellerei) befanden sich direkt auf dem Komplex. Historische Karten zeigen, dass die Familie in den direkt an die Kirche grenzenden Gebäuden wohnte, die als Clofter (Kloster) oder Aptey (Abtei) bezeichnet wurden. Dies war kein ruhiges Privatumfeld, sondern ein funktionales Verwaltungszentrum. Es gab einen ständigen Strom von Bauern, Händlern und Beamten, die ihre Naturalsteuern (wie Wein und Getreide) ablieferten.
Logistik und Infrastruktur rund um das Haus
Das tägliche Leben der Familie wurde logistisch durch die umliegende Infrastruktur bestimmt. An der Nordseite bildete die Obere-Straße die wichtigste Verkehrsader durch die Stadt für Transporte und Reisende. Die Heiligen Gasse an der Westseite begrenzte den Klosterkomplex und bot einen direkten, ruhigeren Weg zum Markt und dem Rathhauss (Rathaus) in der Unterstadt. Die Wacher (der Stadtbach) floss direkt an der Abtei vorbei und diente der Wasserversorgung und Entwässerung des Komplexes.
Religiöse und gesellschaftliche Verpflichtungen
Die Grose Kirch. (die protestantische Evangelische Stiftskirche) stand im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens der Familie. Aufgrund des hohen gesellschaftlichen Status des Vaters hatte die Familie einen festen, angesehenen Platz im Kirchenschiff. Sie nahmen an allen offiziellen protestantischen Gottesdiensten und Zeremonien teil. Der wöchentliche Kirchgang prägte Susannas soziale Kontakte innerhalb des gehobenen Bürgertums von Sankt Goar.
Die Beziehung zur Burg Rheinfels
Obwohl die administrative Basis der Familie in der Unterstadt lag, gab es eine direkte funktionelle Verbindung zur militärischen Führung. Die Alte Burg und die höher gelegene Festung Rheinfels waren die Orte, an denen ihr Vater die militärischen Vorräte verwaltete. Dies bedeutete, dass die Familie Knöpffel enge Beziehungen sowohl zu den kirchlichen als auch zu den militärischen Behörden der Landgrafschaft Hessen-Kassel unterhielt. In diesem streng organisierten administrativen Netzwerk wuchs Susanna auf.


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Uffßner
Nachdem Ihro Hochfürstl[iche] D[urchlaucht] unser gnädigster Fürst und Herr demwege mittels unterm Sub dato Cassel den 20.t[en] Jany 1707 ausgegangenen gnädigsten ertheilten Rescripts dem Proviantmeister Knöpfel auf die durch anderweite Beförderung des bisherigen Brandsteuer-Einnehmers in der Nieder Grafschaft Catzenelnbogen Hermann Winolds erledigte Brandsteuer-Ein- hebung nebst seiner vorigen Bedienung in gnaden con- feriret, derselbe auch auf solche seine Bedienung bey hies[iger] Land-Cammerey be- sugt Pflicht genommen worden; Als ist Uffßnern begehren hiermit an Euch gehörige Verfügung zu
(Marge aan de linkerzijde:) x worauf er erst vor alles das Cassa-Geld gehörige Caution einlegen soll &c. will

thun, daß derselbe als Brandsteuer Einnehmer im Cammertheil in besagter Nieder Grafschaft Catzen- elnbogen respectivè auch ihm alle bey des umrigon Brandsteuer Einneh- mer Winolds bisherigem derer Brandsteuer-Haltern be- eingelassene verrestiren- den gegen dessen Scheyn und Quittung abführen müssen, Wie Ihr dann auch denselben bey solcher sei- ner Bedienung auf den erfordernden Fall besördr[ig] zu assistiren, und das Herrschaftliche Interesse sowohl darby als übrigens nicht verfehlen werdet.
Dat[um] Cassell d. 2t[en] Febr[uarii] 1707
D. HAML... (Handtekening) G. Otto Cuno (Handtekening)
(Marge aan de linkerzijde:) x Von dem so bißherigen Einnehmer Weil die Cassa-Taxation worauf Ihm allen die Einnahme gehabt die selbigen gehörig Einnahm-Rechnung abgelegt pro 1707
von dem Rath Debell Zu Drots Güter
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Uffßner, nachdem Seine Hochfürstliche Durchlaucht, unser gnädigster Fürst und Herr, mittels eines unter dem Datum Kassel, den 20. Januar 1707, ergangenen Reskripts die Einhebung der Brandsteuer in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen – die durch die Beförderung des bisherigen Einnehmers Hermann Winold frei geworden war – nebst seiner bisherigen Funktion dem Proviantmeister Knöpfel übertragen hat und dieser auf diese seine Funktion bei der hiesigen Landkammer den gehörigen Eid abgelegt hat;
So wird Uffßner hiermit aufgefordert, die erforderliche Anordnung zu treffen, dass man demselben als Brandsteuereinnehmer in der besagten Niedergrafschaft Katzenelnbogen alle unter dem bisherigen Einnehmer Winold verbliebenen Rückstände der Brandsteuer gegen seine Bescheinigung und Quittung abführt. Ebenso sollen Sie ihm bei der Ausübung seiner Funktion im Bedarfsfall unterstützend zur Seite stehen und das herrschaftliche Interesse sowohl dabei als auch sonst nicht versäumen.
Gegeben zu Kassel, den 2. Februar 1707.
(Marginalien): x Worauf er erst für das gesamte Kassengeld eine gehörige Kaution zu hinterlegen hat usw. x Vom bisherigen Einnehmer, da die Kassentaxierung, worauf ihm alle Einnahmen zustehen, die entsprechende Einnahmenrechnung für 1707 abgelegt hat. Von Rat Debell zu Drots Gütern.
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Auf den Spuren des Proviantmeisters: Wie ein Archivdokument von 1707 die Welt der Dülckens enthüllt
Ein vergilbtes Blatt Papier aus den Archiven von Hessen-Kassel, datiert auf den 2. Februar 1707, wirkt auf den ersten Blick wie eine trockene Amtshandlung. Doch wer zwischen den Zierlinien der Kurrentschrift liest, entdeckt eine Schlüsselquelle für das historische Netz rund um die berühmte Cembalobauer-Familie Dülcken.
Das Reskript aus Kassel hält eine wichtige Entscheidung des Landgrafen fest: Johann Conrad Knöpfel, Proviantmeister auf der mächtigen Festung Burg Rheinfels bei Sankt Goar, erhält ein bedeutendes Zusatzamt. Er wird zum neuen Brandsteuer-Einnehmer für die gesamte Niedergrafschaft Katzenelnbogen ernannt. Vor Antritt muss er bei der Landkammer eine Kaution für das Kassengeld hinterlegen und den Pflichteid ablegen – ein Beleg für das große Vertrauen des Landgrafen in seine finanzielle Zuverlässigkeit.
Ein regionales Netzwerk über den Rhein Die Reichweite dieses Amtes ist bemerkenswert. Die Niedergrafschaft Katzenelnbogen erstreckte sich über beide Rheinseiten. Das bedeutete, dass Johann Conrad Knöpfel von Sankt Goar aus nicht nur die linke Rheinseite betreute, sondern auch in den Rechtsrheiner Ortschaften die Steuern einzog – darunter das nahegelegene Weisel.
In Weisel prägte damals Pfarrer Schramm das Gemeindeleben. Als übergeordneter Steuereinnehmer stand Knöpfel in engem Kontakt mit den örtlichen Amtsträgern und Pfarrern. Es ist nahezu gewiss, dass sich Knöpfel und Pfarrer Schramm persönlich kannten und austauschten.
Schicksalsschlag und dynastische Nachfolge In Weisel kreuzten sich die Wege der Familien bereits zuvor auf intime Weise. Vater Georg Ludwig Dülcken schloss dort seine Ehe. Nur eine Woche später traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Der neugeborene Sohn Johann Daniel verstarb. Nach damaliger Tradition wurde der Name weitergegeben: Der danach geborene Sohn erhielt wiederum den Namen Johann Daniel Dülcken.
Dieser zweite Johann Daniel sollte später zu einem der bedeutendsten Cembalobauer des 18. Jahrhunderts aufsteigen. Der Kreis des Netzwerks zwischen Rheinfels, Sankt Goar und Weisel schloss sich endgültig, als der junge Instrumentenbauer Susanne Maria Knöpfel heiratete – die Tochter von niemand anderem als dem Proviantmeister und Steuereinnehmer Johann Conrad Knöpfel.
Das Dokument von 1707 ist somit weit mehr als eine bürokratische Notiz. Es ist der handfeste Beweis für das gesellschaftliche und finanzielle Fundament, auf dem das Beziehungsnetz der Familie Dülcken an den Ufern des Rheins ruhte.
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Ergänzender Exkurs: Wer war Uffßner?
Um die administrative Tragweite des Dokuments vom 2. Februar 1707 vollständig zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Adressaten: Uffßner.
Uffßner war der landgräfliche Amtmann (oder Rentmeister) des örtlichen Verwaltungsbezirks (Cammertheil) in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. In der Befehlskette der Landgrafschaft Hessen-Kassel nahm der Amtmann die Schlüsselrolle an der Basis ein. Das Dekret aus Kassel richtet sich gezielt an ihn, um die Beschlüsse des Hofes vor Ort durchzusetzen:
Schnittstelle der Übergabe: Uffßner hatte die Aufgabe, den Übergang zwischen dem bisherigen Einnehmer Hermann Winold und dem neu ernannten Proviantmeister Johann Conrad Knöpfel praktisch abzuwickeln.
Finanzielle Aufsicht: Er musste sicherstellen, dass alle noch ausstehenden Brandsteuer-Rückstände geordnet an Knöpfel abgeführt wurden. Zudem oblag ihm die Kontrolle, dass Knöpfel die geforderte Kaution (Caution) bei der Landkammer hinterlegte, bevor ihm die Kasse anvertraut wurde.
1.
Heirat von Conrad Knöpfel und Regina Magdalena Dirx am 29. April 1695 (KB 149/1, S. 255);
2.
Taufe von Dietrich Conrad Knöpffel am 9. Februar 1696 (KB 149/1, S. 105);
3.
Taufe von Maria Sophia Christiana Knöpfel am 9. November 1697 (KB 149/1, S. 116);
4.
Taufe von Anna Margaretha Elisabeth Knöpffel am 24. September 1699 (KB 149/1, S. 125);
5.
Taufe der am 18. April 1701 geborenen Anna Getrud Henriette Knöpfel (KB 149/1, S. 130);
6.
Taufe von Johann Christian Ludwig Knöpffel am 21. Juni 1703 (KB 149/1, S. 137);
7.
Taufe von Johann Henrich Werner Knöpffel am 23. Dezember 1704 (KB 149/1, S. 142);
8.
Taufe der am 16. Mai 1709 geborenen Anna Christina Dorothea Knöpfel (KB 149/1, S. 158);
9.
Taufe der am 28. Februar 1711 geborenen Maria Elisabeth Knöpffel (KB 149/1, S. 162);
10.
Taufe von Johann Ludwig Knöpffel am 29. Dezember 1712 (KB 149/1, S. 168);
11.
Taufe des am 22. November 1714 geborenen Johann Wollrath Knöpfel (KB 149/1, S. 177).
Foundation Musick's Monument